Sofort-Hilfe
Was tun nach einem Unfall?
Die ersten Minuten nach einem Unfall entscheiden darüber, wie viel du am Ende erstattet bekommst. Sechs Schritte, die du in der richtigen Reihenfolge gehen solltest.
Ein Unfall dauert Sekunden, die Abwicklung Wochen. Was in den ersten Minuten passiert, bestimmt dabei mehr, als den meisten bewusst ist: Wer den Schaden sauber dokumentiert und die richtigen Daten aufnimmt, hat später eine belastbare Grundlage. Wer darauf verzichtet, diskutiert mit der Versicherung über Dinge, die niemand mehr beweisen kann.
Die folgenden Schritte sind bewusst in der Reihenfolge sortiert, in der sie am Unfallort sinnvoll sind – von der eigenen Sicherheit bis zur Wahl des Sachverständigen.
Unfallstelle sichern, Menschen zuerst
Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen: innerorts etwa 50 Meter vor der Stelle, auf Landstraßen 100, auf der Autobahn 200 Meter. Erst danach kümmerst du dich um das Fahrzeug. Gibt es Verletzte, ist der Notruf 112 der erste Griff – alles andere kann warten.
Polizei rufen – wann es sich lohnt
Bei Personenschäden, unklarer Schuldfrage, Fahrerflucht, Verdacht auf Alkohol oder wenn Beteiligte aus dem Ausland kommen, sollte immer die Polizei kommen. Das Protokoll ist später ein wichtiges Beweismittel.
Bei kleinen Blechschäden mit klarer Lage ist die Polizei nicht verpflichtet zu erscheinen. Umso wichtiger ist dann, dass du selbst dokumentierst – sonst steht am Ende Aussage gegen Aussage.
Fotografieren, und zwar gründlich
Das ist der Schritt, an dem später am meisten hängt. Fotografiere mit dem Handy, lieber zu viel als zu wenig:
- Übersicht: die gesamte Unfallstelle aus mehreren Richtungen, mit Straßenverlauf, Verkehrsschildern und Ampeln im Bild
- Endstellung: beide Fahrzeuge, bevor irgendetwas bewegt wird
- Kennzeichen: von beiden Fahrzeugen, gut lesbar
- Schäden: jede beschädigte Stelle aus zwei Abständen – einmal nah, einmal so weit weg, dass die Position am Fahrzeug erkennbar ist
- Spuren: Bremsspuren, Glassplitter, abgefallene Teile, Lackabrieb
Auch wenn dein Auto schon abgeschleppt wurde: Schick, was du hast. Aus Fotos vom Abschlepphof lässt sich immer noch mehr ableiten als aus einer Beschreibung.
Daten der Gegenseite aufnehmen
Notiere Name und Anschrift des Fahrers, Kennzeichen, Fahrzeugtyp, Versicherung und – wenn vorhanden – die Versicherungsnummer. Lass dir den Führerschein zeigen, wenn du unsicher bist, ob Fahrer und Halter dieselbe Person sind. Gibt es Zeugen, notiere Namen und Telefonnummer; das kostet eine Minute und ist später Gold wert.
Nichts unterschreiben, was du nicht verstehst
Am Unfallort werden manchmal Erklärungen gereicht, in denen jemand die Schuld anerkennt. Auch wenn die Lage eindeutig scheint: Unterschreibe nichts, dessen Folgen du nicht überblickst. Für die Regulierung ist das nicht nötig, und im Zweifel schränkst du damit deine eigene Position ein.
Dasselbe gilt für Anrufe der gegnerischen Versicherung in den Tagen danach. Wer dort schnell einen Termin mit „unserem Gutachter" annimmt, gibt die Bewertung des Schadens aus der Hand.
Den Gutachter selbst wählen
Als Geschädigter in einem Haftpflichtfall darfst du den Sachverständigen frei wählen. Du musst den Gutachter der gegnerischen Versicherung nicht akzeptieren – und du solltest es in aller Regel auch nicht. Ein von der Versicherung beauftragter Prüfer vertritt die Interessen des Versicherers, nicht deine.
Bei einem unverschuldeten Unfall trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung die Kosten des Gutachtens. Du streckst nichts vor: Mit einer Abtretungserklärung gehen Gutachten und Rechnung direkt an die Versicherung.
Was du danach nicht tun solltest
Nicht reparieren lassen, bevor der Schaden begutachtet ist. Danach lässt sich der Zustand nicht mehr belegen – und mit ihm verschwinden Wertminderung, Nutzungsausfall und teilweise auch der Nachweis, welche Schäden überhaupt aus dem Unfall stammen.
Nicht zu lange warten. Je näher die Begutachtung am Unfall liegt, desto klarer ist die Zuordnung. Wir sind in der Regel innerhalb weniger Stunden vor Ort, oft noch am selben Tag.
Kurz zusammengefasst
Sichern, dokumentieren, Daten aufnehmen, nichts unterschreiben, eigenen Gutachter beauftragen, erst danach reparieren. Wer diese Reihenfolge einhält, hat am Ende die Zahlen auf seiner Seite – und muss nicht darüber diskutieren, was passiert ist.
Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Was in deinem Fall gilt, klären wir am Telefon – die Ersteinschätzung ist kostenlos.
